Causa Pähtz

Normalerweise verfolge ich deutsches Spitzenschach überhaupt nicht, weil ich die Politik des DSB für grundlegend verfehlt halte. Es kann nicht sein, dass Leute wie Jan Gustafsson nicht für die Nationalmannschaft spielen. Es kann auch nicht sein, dass es der DSB nicht schafft, junge Spieler an die Weltspitze zu führen. Da ist offenkundig der Wurm drin, aber die Verantwortlichen sitzen anscheinend so fest im Sattel, dass sie sich für ihr Totalversagen nicht verantworten müssen. Der Jogi ist ja auch noch DFB-Trainer.

Nun man kann sicherlich einwenden, dass man Supertalente nicht backen kann. Wir haben nunmal nicht den Pool, über den China und Indien verfügen. Das ist bei Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien ähnlich, aber die haben gute Leute in der Pipeline. Das hat etwas mit Elitenförderung zu tun, die in Deutschland – angeblich aus “guten Gründen” – lange Zeit nicht mehr stattfand.

Anyways, gestern bekomme ich durch Zufall mit, dass Elli Pähtz bei Lichess gesperrt wurde, weil sie mutmaßlich gecheated hat. Auf der Suche nach Infos findet Google folgende Webseite, die gleich mit mehreren Stories aufwarten kann. Da hätten wir zum einen den Vorfall bei Lichess und zum anderen eine persöhnliche Fehde mit Georg Meier wegen irgendwelchem Motivationskäse.

Ich habe mit die Lichess-Partien angeschaut, und sie strotzen nur so vor Fehlern. Das allein ist jedoch bei Cheating nicht entscheidend. Entscheidend ist das Ergebnis! Für einen starken Spieler reicht es aus, nur im absolut kritischen Moment zu cheaten. Das scheint mir hier jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen zu sein. Sie packt zwar hier und da die taktische Keule aus, aber die Züge sind nicht unmöglich zu finden, und sie setzt auch nicht immer optimal fort. Mir scheint, hier könnte auch einfach mal die statistische Varianz zugeschlagen haben. Auch bei einer signifikanten Elo-Differenz ist ihr Erwartungswert nicht Null.

Was allerdings ein wenig sonderbar ist, das ist die Grafik zu ihrer Performance in dem Video von Aghiad Mero bei Minute 2:00. Da geht die Kurve einfach mal steil nach oben, und das ist in der Tat hochgradig ungewöhnlich. Darin dürfte Lichess ein Muster gesehen haben. Das liefe dann unter dem Stichwort: Indizienbeweis.

Die Geschichte mit Georg Meier kann ich nicht beurteilen, weil ich die Hintergründe nicht kenne. Nun hat er wohl keine Lust mehr auf das Gender-Thema, das sich natürlich auch im Schach breitmacht. Warum spielen Frauen eine Standardabweichung schwächer als Männer, wo doch alle gleich sind? Woran liegt das wohl? Könnte es genetische Gründe haben, Mangel an Testosteron vielleicht? Man weiß es nicht. Man wusste es mal, hat es jedoch vergessen.

Fakt ist: Elisabeth Pähtz hat aktuell Elo 2473. Als Mann wäre sie als Schachspieler völlig unbedeutend. Als Frau ist sie besonders. Ihre Profi-Karriere basiert überwiegend auf diesem Unterschied.

 
Nachtrag (11.08.2020): Angeblich achtet die Lichess-Software auf Mausbewegungen, und da soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Es wurde auch die These aufgestellt, dass sie vielleicht aus Frust über Cheater zurückgecheatet habe. Das wäre jedenfalls ein nachvollziehbares Motiv. Niemand ist gerne nur Opfer.

Wenn man im Online-Schach cheaten möchte, dann ist das wirklich ganz einfach. Gegen ein Ohrstöpsel nützen auch mehrere Kameras im Raum nichts. Sobald Geld im Spiel ist, zeigen sich auch bei integeren Personen bisweilen charakterliche Defizite. Professionelles Online-Schach hat garantiert keinerlei Zukunft. Last but not least cheaten ohnehin alle, und zwar vor der Partie.

Ich habe mir übrigens auch mal einen Cheatingvorwurf eingefangen, wegen der beiden folgenden Partien. Das lag natürlich daran, dass ich mir beide Varianten zuvor ein bisschen angeschaut hatte:

 
P.S.: Dieses Video und den entsprechenden Vorwurf sollte man auch kennen. Dies führte letztlich zu Shorts Handschlagpartie.

Source: stringisback

Sample Size 1

Apparently this funny line has never been repeated. The reason could be that white is virtually winning after 4. Qc2.

In eigener Sache

Was soll eigentlich dieser ganze Quatsch mit den “forced draws”?

Nun, ursprünglich glaubte ich, es gäbe in jeder Eröffnung eine bestimmte endliche Anzahl von forcierten Remisvarianten. Man könnte die ja mal sammeln und katalogisieren. Bei chessgames.com fand ich z.B. folgende Liste, die man entsprechend ausbauen könne. Mein methodischer Ansatz war dabei, einfach mal eine große Datenbank nach kurzen Remisen, zwischen dem 10. und 25. Zug, zu durchsuchen. Dabei stieß ich auf ein sonderbares Phänomen, dem Phänomen der “üblichen Verdächtigen”. Auf einmal waren sie alle da, die Lekos, die Svidlers, die Gelfands, die Radjabovs, aber auch viele andere Großmeister, die mir bislang diesbezüglich noch nicht aufgefallen waren, wie z.B. Grischuk.

Wer mal in die exklusiven Veranstaltungen der geschlossenen Turnieren vorgedrungen ist, dem geht es natürlich in erster Linie darum, dabei zu bleiben. Man muss im Prinzip einfach nur seine Spielstärke halten, und kann damit rechnen, als Top-Spieler auch künftig wieder eingeladen zu werden. Der Trick bestand darin, nicht nur mit Schwarz superscharfe Systeme zu spielen, die in einem forcierten Remis enden, sondern auch mit Weiß. Man fraß die beiden lokalen Spieler ab, die vom Veranstaler gesetzt waren, und hackte sich gegenseitig kein Auge aus. Damit ließ sich als Profi in der Weltspitze offenbar ein schönes Einkommen erzielen.

Als ich das erkannt hatte, stellte sich die Frage, ob man ein komplettes Eröffnungsrepertoire auf Basis forcierter Remisvarianten aufbauen kann. Das ganze hat den Vorteil, dass es auch gerne hochkomplizierte Varianten sein können, bei denen der Gegner Fehler machen kann. Auf diese Weise macht man schon mal “sicher” 50%, aber mit entsprechend viel Luft nach oben. Geboren war der Drawmeister! Wenn die Superstars das können, kann es jeder, stimmts? Stimmt! Siehe z.B. Cornette und Christiansen.

Gerade Letzter ist ein perfektes Beispiel für den Drawmeister, der allein aufgrund seiner Eröffnungen mittlerweile sogar die 2600 überschritten hat. In den Eröffnungen spielt er Elo 3600, sobald er jedoch einen eigenen Zug machen muss, kann er mit viel Glück vielleicht noch die 2200 halten. Eine solch krasse Form von Stat-Padding habe ich in 40 Jahren Schach noch nicht gesehen.

Bei der ganzen Geschichte fiel mir jedoch ein Spieler auf, der sozusagen das Kryptonit für die Drawmeister darstellt, Magnus Carlsen. MC spielt freiwillig zweitklassige Varianten, bei denen er den Nachteil jedoch innerhalb weniger Züge wieder aufholt. Es hat sich aber noch eine weitere Kathegorie von Spielern etabliert, der Helicopter-Hat. Hier wären Caruana und MVL zu nennen. Diese Generation von Super-Nerds schlägt die Drawmeister im Labor. Sie kommen aber durch immer bessere Engines an ihre Grenzen.

Nichts desto trotz halte ich den grundlegenden Ansatz weiterhin für essenziell wichtig. Man muss die forced draws kennen, als Favorit um zu gewinnen, und als Underdog um nicht zu verlieren. Wenn man gegen Gleichstarke spielt, ist ein Remis ohnehin ok.

How to improve?

First of all, there is no magic bullet. Second, not everyone can become a strong chessplayer, regardless how much effort they put up. The promise that you can reach any goal if you just try hard enough, is a lie. It’s a nice lie though, because the liar can always tell you that you didn’t try hard enough. Nevertheless, there is a method that is currently supported by pretty much every website:

Openings + Tactics

This approach has a lot going for it. People end up in bad positions because they lack opening knowledge and if there is a winning tactic, they usually overlook it. If you make a top 10 list with problems, then these would easily be the top 2.

Here is the issue: If your opponent plays a suboptimal move in the opening and takes you out of book, which happens a lot actually, then there may not be any tactics available, unless you are playing super sharp openings, but even in sharp openings there are quiet lines. This is actually precisely how Magnus Carlsen wins games.

What is my suggestion then? The forced draw is not a perfect solution either. Against strong opponents the threat of the forced draw will force them to make minor concessions and go for slightly inferior variations. Eventually you need the technique to convert small positional advantages. You need to know what to do when there is no tactical solution, because this situation occurs by far most often. Unfortunately there is no quick fix for that. Even a structured thinking process cannot make you better than you are.

The problem is very similar to the Dunning-Kruger-effect. You are basically lacking the strength to find your own mistakes, because if had it already, you wouldn’t make these mistakes in the first place. The best example is the club amateur who has something like Elo 1650 for his whole life. These guys simply cannot figure out what is wrong, because if they could, they would have Elo 1850.

This means what you proabably have already guessed: You need external help from books, your engine, your trainer, or all of the above. Then the Pareto-principle will kick in. You will make rapid progress in the beginning but then slowly hit a wall. At that point something in your routine or in your life has to change.

This brings me to Vincent Keymer…

 
Update: It is almost comical, isn’t it?

To be fair, he was winning at one point, but once again he blundered in time trouble. While other prodigies are showing flashy ratings in bullet, Keymer is simply too slow. Is his brain too slow, or is he thinking about too many pointless subvariations? It is pretty clear that Leko is suffering from some sort of paranoia, because his opponent could have better prep. Maybe Keymer got infected.

If you are pressimistic and always expect your opponent to know everything and see everything, you are turning even an average opponent into Stockfish. Players on the other end of the spectrum have it much easier. Kramnik is always better. Nakamura always has at least a draw. For them a loss is like a bad beat in Poker. They flopped a set, but their opponent hit the flush on the river.

It’s kinda funny, but this also applies to the amateur level. When I was playing in the Oberliga and looked up my opponents in the database, it felt like preparing against an engine, because I knew that they were preparing with engines against me as well. When you look at the resulting game though, it felt like two patzers were playing each other. Too much respect for your opponent is bad.

Rollercoaster

Anand and Kramnik played a game that is very important for the theory of the Classical French, but it was also a total rollercoaster where both players threw it away multiple time. Anand was just the one to make the last mistake. It was a battle of only moves.

Engine commentary

Many people don’t get the point behind watching a game with the help of an engine. It’s not about being smarter than the players. It’s all about checking their precision. What do they overlook? Where do they lose the thread of the game? Where do they go wrong? That’s the point of using an engine. It provides an objective evaluation of the individual performance. When I comment a game I am also interested in the positions where the players refrain from playing the obvious move, and of course I am always looking to find forced draws. This is equally important for both, favorites and underdogs, because it could have ended the game on the spot.

WTF was that?

Last night I couldn’t believe my eyes when Caruana blitzed out a complete lemmon in a known theoretical position. The move seems to drop the exchange for nothing, so you at the position and try to find his idea. You look and look and look and see nothing. So you switch on the engine and it cannot see anything either. The real shocker though is that Carlsen believed him. Chess isn’t Poker. In chess your cards are always face up. If this was a bluff, it was the worst bluff in chess history. Even worse, Carlsen still won.

By the way, the reaction by Vidit when Caruana played that move is just priceless.

Equal but not drawn

The decision between playing the Petroff or the Berlin depends on the evaluation of 5.Nc3. The problem with this line is not that the engines show something around 0.00. The problem is that there is no way to force the draw. It can go wrong and quite often does.

Dubov > Naka

It’s pretty sad when a great tournament gets decided by a blunder. Nevertheless, it’s certainly not Dubov’s fault. I have no idea why Naka chose the complicated line in the Vienna instead of the simple technical equalizer, especially in the Armageddon.

Once again, betting on chess proves not to be a good idea.

Play it safe!