Distant Opposition

Young Alireza still has to learn a few lessons it seems. With Carlsen he had the best teacher available, but unfortunately the lesson wasn’t free. It could have costed him about $ 10.000 in prize-money if Aronjan manages to catch up in the last round.

This game is also a nice example for accuracy, which can be measured in centipawns. It took Carlsen 38 moves to win a pawn. Engines evaluate the resulting position with -0.5 because of the opposite colored bishops. This means that Carlsen roughly played 0.01 centipawns better that Firouzja on average. Carlsen did manage to trade his bishop for the knight on move 54 and win the pawn on h5, but the resulting ending was theoretically drawn. Yet Firouzja managed to lose in severe time trouble. If we look at this game on Chessbomb, it’s nothing but blue moves until the very end, when one red move made all the difference.

 

Source: The Cincinnati Kid

Causa Petrosyan

Eigentlich muss ich nichts dazu schreiben, das Verlinken des Artikels ist ausreichend.

Ok, etwas schreibe ich dennoch: Online-Schach für Geld ist ein Witz! Da kann jeder bescheißen, wie er gerade lustig ist. Das müssen noch nicht mal konkrete Zugvorschläge einer Engine sein. Allein das Wissen, dass die Bewertung gerade gekippt ist, stellt einen massiven Vorteil dar. Hinterher ist es nicht nachweisbar.

Am Ende sind die Ehrlichen – wie so oft im Leben – die Dummen.

Caro Kann is back!

All of a sudden the Caro Kann is making a comeback in virtually every high-class blitz tournament. Carlsen played it, Firouzja played it, Harikrishna played it and Grischuk played it as well. Probably Stockfish 12 has found something, I didn’t check. They all had to face the Advance Variation, so the issues in the Two Knights Variation must have been fixed. Here is where to look for:

Zukunftschancen

Wie das Schachmagazin vom Bodensee berichtet, ist sich Matthias Blübaum bezüglicher seiner beruflichen Karrerie noch nicht sicher, während Vincent Keymer sich nach dem Abi erst mal ganz auf Schach konzentrieren möchte. Wir halten fest, dass der eine an der Schwelle zu 2700 kratzt, während der andere gerade mal die 2550 überschritten hat.

Wie sieht die Sache relativ aus? Blübaum ist aktuell die Nr. 81 der Weltrangliste, Keymer ist Nr. 350, aber bei den Junioren die Nr. 24. Der wichtigste Indikator für die Zukunft ist jedoch nicht das Rating im klassischen Schach, sondern das Rating im Blitz.

Zum Vergleich: Bei den Damen wäre man mit 2568 die Nr. 3 der Weltrangliste, sogar noch knapp vor der Weltmeisterin. Elli Pähtz liegt dort mit 2472 auf Rang 19. Nach ihr kommt lange niemand.

 
Nachtrag: Das Match mit Caruana war in der Tat ernüchternd. Es beginnt schon damit, dass Blübaum sich permanent fragt, ob sich Caruana vorbereitet habe. Hallo? Der macht den ganzen Tag lang nichts anderes. Bei einer solch naiven Herangehensweise darf man schon mal die Frage stellen, wieso Blübaum eigentlich so erfolgreich ist. Anyways, hier ist die erste Partie, bei der er eigentlich nur einen signifikanten Fehler gemacht macht. Der Einsteller am Schluss hat Caruana lediglich die technische Verwertung erspart.

Wunderkind

Unser deutsches Wunderkind durfte mal wieder antreten, diesmal gegen Adams. Sicherlich keine einfache Paarung, aber eine Chance um zu zeigen, welches Niveau man erreicht hat.

Anscheinend hat Leko gemerkt, dass das mit Najdorf auf Dauer nix wird. Wenn einfach kein Stellungsgefühl vorhanden ist, bringt die beste Vorbereitung nichts. Was macht man in einer solchen Situation, wenn man keine Berliner Verteidigung spielen möchte? Richtig, natürlich Caro Kann, denn das ist von allen zweitbesten Eröffnungen immer noch die beste. Man könnte auch mal Französisch antesten, insbesondere weil Meier und Blühbaum damit selbst gegen die Weltspitze erfolgreich sind, aber manche Leute sind einfach prinzipientreu. Leko gehört offenkundig dazu.

Anyways, man kann gegen Adams verlieren, aber man sollte nicht verlieren, wenn Adams zweimal den Vorteil wegschmeißt. Da zeigt sich das Kernproblem. Keymer ist nicht nur langsam, sondern auch taktisch anfällig, und in Zeitnot beides umso mehr. Diese Elfmeter wären von Nihal und Praggdanadddanahadaandaaa problemlos versenkt worden. Das sind Wunderkinder, bei denen man sich nicht permanent wundern muss, warum sie als solche gehandelt werden. Ja ich weiß, wir haben kein anderes.

Heute hat er gewonnen, das heißt, der Sieg wurde ihm de facto vom Gegner aufgezwungen. Darüber beschwert man sich nicht.

Schach in den 90ern

Anfang der 90er, als man gegen Fritz noch locker jedes Endspiel gewinnen konnte, spielten Engines nur eine untergeordnete Rolle. Mit Fritz 5 änderte sich die Situation jedoch schlagartig, denn dieses Programm war durchaus in der Lage, starke Neuerungen gegenüber der im Informator veröffentlichten Theorie zu finden. Meine ersten Analysen machte ich übrigens noch mit einer Hardware-Erweiterung für den PC namens Chess Machine.

Datenbanken gab es damals natürlich auch schon, nicht nur Chessbase (den Dongle habe ich immer noch), sondern auch NiC-Base aus Holland. Aus den Datenbanken habe ich mir meine Vorbilder rausgesucht. Ein Spieler hatte es mir damals ganz besonders angetan, Boris Alterman. Meine Eröffnungsvorbereitung bestand darin, seine Partien zumindest mal gesehen zu haben.

Boris Alterman spielte damals auch sehr erfolgreich den Drachen. Insbesondere hatte er eine Spezialvariante gegen den Aufbau mit 9.0-0-0. Dazu hatte ich tonnenweise Analysen angefertigt, die man natürlich heute komplett in die Tonne treten kann. Damals war das aber noch “State of the Art”, weil man es nicht besser wusste.

In einer langen Partie bekam ich die Stellung leider nie auf’s Brett, dafür aber ein paar andere seiner Varianten im Blitz.

Zwei Trends gingen weitgehend an mir vorbei: Zum einen war es in Mode gekommen, nach Ungarn zu fahren und sich dort quasi den FM-Titel zu kaufen. Zum anderen sprossen dank Engine-Vorbereitung überall neue IMs und GMs aus dem Boden, die zuvor noch 200 Punkte schwächer gespielt hatten. Die Idee bestand darin, ältere Großmeister, die noch auf ihre Karteikarten vertrauten, durch Computerneuerungen vom Brett zu hauen. Wer es nicht glaubt, soll einfach mal bei heute 40-jährigen GMs auf die Elo-Entwicklung achten. Ab 1996 setzt überall der Turbolader ein. Als der Höhepunkt erreicht war, ging Kasparov in Rente, denn er hatte keinen strategischen Eröffnungsvorteil mehr. Weil die Elo-Quellen ausgetrocknet waren, wendeten sich viele dem Poker zu.

Bemerkenswert ist übrigens auch, dass Carlsen ein Konzept aus dem Poker namens “Small Ball” im Schach zum Erfolg geführt hat.

Analysing a Blitz Game

Carlsen and Artemiev slugged it out on Lichess and this game caught my attention. I am doing some brief comments using “The System” to identify candidate moves. Carlsen totally dominates the opening, then despite some subtle maneuvers he gets outplayed and black manages to equalize, but once the queens are off the board he totally rips Artemiev apart. Very impressive as usual!

Ausverkauf

Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Bezeichnend sind zwei Beiträge im empfehlenswerten Online-Schachmagazin vom Bodensee (hier und hier).

Auch ich finde es absolut bedauernswert, dass Olympiaden mittlerweile im Armageddon am Frauenbrett ausgeblitzt werden, und man sich anschauen muss, wie eine Spielern mit einem Bauern mehr ein Hilfsmatt konstruiert.

Armenien scheidet aus, weil die Internetverbindung abbricht.

Während ich diesen Beitrag schreibe, ist gerade die Verbindung von Team India zusammengebrochen, und keiner weiß, wie es nun weitergehen soll.

Die Frage ist jedoch, ob Schach nicht ohnehin bereits einen massiven Abstieg zu verzeichnen hat. Was ist denn mit den ganzen auswendig gelernten Computervarianten? Was ist mit den vielen forcierten Remisvarianten? Fischer hat man für verrückt erklärt, weil davon überzeugt war, von den Russen betrogen worden zu sein. Wie ist es ist mit den Sekundanten, die auffällig oft gegen ihren Arbeitgeber verlieren? Das wirkt auch nicht gerade integer.

Schach ist wie Kunst. Früher gab es Qualitätsmaßstäbe, heute nicht mehr. Es macht immer noch Spaß, und darauf kommt es an.

 
Nachtrag: Nun haben sie Russland und Indien die Goldmedallie geschenkt. Absurder geht es wohl nicht.

Framework

Ich lege hier ein Framework für die Drawmeister-Strategie vor, so wie sie mir zumindest selbst vorgeschwebt hat.

Jeder Spieler, der ein Repertoire aufbaut, merkt irgendwann, dass die Arbeit nie abgeschlossen ist. Wir sprechen hier von einer Lebensaufgabe. Dabei muss man notgedrungen Prioritäten setzen. Der Tag, an dem man alles perfekt im Griff hat, kommt nie.

Bei mir war es zum Beispiel so, dass in meinem Verein und auch in der Liga extrem viel Königsindisch gespielt wurde. Das war einfach wegen Kasparov damals groß in Mode. Königsindisch stand damit automatisch im Fokus meiner Vorbereitung. Wenn ich in meine Datenbank schaue, dann habe ich 12 Partien in der Hauptvariante gespielt und dabei eine Elo-Performance von 2398 erzielt. Das lag letztlich auch nur daran, dass ich in einigen Gewinnstellungen noch irgendwelche taktischen Tricks zugelassen habe. Anyways, ich war damals im Königsindisch auf dem aktuellen Stand der Theorie, jedenfalls wie man ihn in den Büchern von John Nunn und Joe Gallagher dargeboten bekam.

Völlig anders lief es jedoch z.B. im QGD/Damenindisch. Schon damals stellte sich die Frage, ob man diesen gesamten Komplex nicht irgendwie “abklemmen” könne. Als Antwort bot sich hier Katalanisch und die Remisvariante nach Lg5 an. Das Ergebnis war eine Performance von 2255, zufällig auch über 12 Partien.

Ich hoffe man sieht, worauf ich hinaus will. Die Idee besteht ganz einfach darin, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, und den Rest mit Hilfe von forcierten Remisvarianten auszublenden. Wenn man vom Gegner eine solche unangenehme Variante vorgesetzt bekommt, dann holt man damit 50%, zumindest in der Theorie. In der Praxis ist es natürlich nicht so einfach. Das habe ich selbst oft genug gemerkt, und die Idee nicht weiter verfolgt. Damals war mir allerdings noch nicht klar, dass dieser Ansatz im Spitzennivau an der Tagesordnung ist. Das habe ich erst gemerkt, als ich damit begann, solche Partien zu sammeln. Es gibt insoweit auch die “üblichen Verdächtigen”. Bei manchen glaubt man es gar nicht.

Wenn man das forcierte Remis sowohl als Waffe gegen Favoriten, als auch zum Risikomanagement einsetzt, ist die Thematik nicht zu unterschätzen. So blöd, wie er auf den ersten Blick wirkt, ist dieser Ansatz mit Sicherheit nicht. Er hat seine Berechtigung.

Wenn der Gegner solche Varianten vermeiden möchte, was natürlich möglich ist, muss er gewisse Zugeständnisse machen. Ob es ein Zugeständnis darstellt, z.B. im Spanier auf den Marschall-Angriff zu verzichten und dafür das Breyer-System zu spielen, ist fraglich, aber es kanalisiert zumindest den Vorbereitungaufwand. Marschall wird wegremisiert, im Breyer darf nichts anbrennen.

 
P.S.: In einem Banterblitz auf chess24 habe ich Svidler nach dem Stellenwert des “Freerolls” im Spitzenschach gefragt. Er meinte, das Konzept hätte durchaus eine Berechtigung, und verwies auf folgende Partie, in der Schwarz den Test nicht bestanden hat.

Aktuelles Beispiel

Ich nehme zur Demonstration des “Systems” eine aktuelle Partie, die gestern bei den German Masters der Frauen gespielt wurde. Hier zeigt sich, dass das Kriterium Königssicherheit in gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeihung darstellt. Entweder ist der König sicher, oder nicht. Die Antwort kennt man in der Regel erst hinterher. Das heißt aber nicht, dass das Kriterium untauglich ist, sondern es ist letztlich eine Frage der konkreten Berechnung, bzw. des Stellungsgefühls (neuronales Netz, wie z.B. bei Leela).

Abschließend stellt sich noch die philosophische Frage, ob Josefine Heinemann verdient gewonnen hat. Heinemann kam besser aus der Eröffnung. Dann standen beide Seiten abwechselnd total auf Verlust. Heinemann hat es überlebt, Papp nicht. Darin kann ich einen Verdienst erkennen. Letztlich ist es egal.

Play it safe!